Glauben und Wissen: Ein Symposium mit Jürgen Habermas: Ein Symposium mit Jürgen Habermas. Wiener Reihe Band 13
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Was Theologen und Philosophen von Gott weder glauben noch wissen.
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Glauben und Wissen: Ein Symposium mit Jürgen Habermas: Ein Symposium mit Jürgen Habermas. Wiener Reihe Band 13 (Taschenbuch) Der Bogen dieser "Debatte über die religionsphilosophischen Aspekte" im "Werk" des "postmetaphysischen" bekennenden Agnostikers Habermas spannt sich (nach Kapiteln) von "Relektüren der Religionsphilosophie Kants" zur "Aktualität nachkantischer Religionsbegriffe"; von "Jürgen Habermas als kritischer Gesprächspartner der zeitgenössischen Theologie" zum Thema "Religion in einer 'postsäkularen Gesellschaft' ". Als Substanz der gelehrten wortreichen Beiträge weist das Buch aus: Die Experten, alle, sind Kantianer, wie Habermas. Wie Kant sind sie sicher, dass von Gott - als real existierendem Geistwesen! - nichts zu glauben und nichts zu wissen ist. Er ist ihnen allenfalls, wie für Kant, eine bloße "regulative Idee", eine pragmatische Forderung der "praktischen Vernunft". Diesen Kantischen Gedanken prüfen sie "semantisch", in "Sprachspielen" (zwei Schlüsselbegriffe der Beiträge) folgsam auf seinen Nutzen. Das Beispiel zeigt: "The talkative philosophy that only serves to produce endless disputes" (C. Maclaurin, 1748); die "geschwätzige Philosophie": sie lebt. - Von Voltaire stammt das Wort: "Wenn wir nicht wüssten, dass es Gott gibt, müssten wir ihn erfinden." In diesem Wort hat die gesamte Religionsphilosophie Kants Platz, wie auch alle gelehrten Kommentare zu ihr, eingeschlossen das vorliegende Buch. Freilich huldigen die Experten hier Habermas und seiner "postmetaphysischen" Variante: Da wir von Gott nichts wissen noch an ihn glauben, so fragen wir doch angesichts der gesellschaftlichen Verheerungen, die wir beobachten, ob sich nicht aus der Gottesidee Nutzen ziehen lässt. - Wie oft bei Büchern ist auch hier das Bemerkenswerteste das, was nicht darin steht. Es fehlt nämlich jede kritische Auseinandersetzung mit der Herkunft der Kantischen Vernunftlehre aus der materialistisch-atheistischen Philosophie des 18. Jahrhunderts. Während etwa noch für Newton (1713) und für Voltaire (1764) die Existenz Gottes eine beweisbare und erwiesene "unausweichliche Tatsache" (Newton) war, machte sich der junge Kant in seiner "Allgemeinen Naturgeschichte" von 1755 daran, gegen Newton eine gott-lose Naturlehre zu erfinden. Diese stellte er 1786 neu vor, als materialistische "Körperlehre mit Ausschließung aller nicht sinnlichen Objekte." Hier wurzelt der Agnostizismus der Philosophie seither. Von hierher rührt der Kantische Begriff der "beschränkten" wissenschaftlichen Vernunft, die Joseph Ratzinger als "amputiert" bezeichnet und zuletzt in seiner Regensburger Vorlesung offensiv kritisiert hat. Wer es unterlässt, die (mangelnde!) Tragfähigkeit des Kantischen Vernunftbegriffs kritisch zu überprüfen - und die moderne Philosophie und Theologie unterlässt es überall ebenso wie in diesem Buch, in dem man die Namen Newton und Voltaire vergeblich sucht - , der verfehlt seine Aufgabe als Theologe wie als Philosoph: die Aufgabe, die Kant selbst gestellt hat: "Sapere aude!" Selber denken!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 12. Januar 2007
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